Ein Weg zur globalen Energiewende:

Sonne löst Diesel ab

Photovoltaikanlagen sind bereits in vielen reichen Industriestaaten ein fester Bestandteil der Energieerzeugung. In ärmeren Regionen der Welt etabliert sich die Technik nur langsam. Hier ist der Bedarf an unabhängigen Energiequellen hoch und die Voraussetzungen, wie ausreichend Sonnenstrahlung und Fläche, sind oftmals gegeben. Doch die Investitionskosten und die technischen Anforderungen bilden hohe Hürden, die bislang einer flächendeckende Energieversorgung aus Erneuerbarer Energie im Wege stehen.

in Land mit ausreichend Fläche und einem täglichen Ertrag von 4 – 6 kWh/ kWp ist Haiti. Haiti gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. 80 % der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze und hat weniger als 1 € am Tag zur Verfügung. Die Armut trifft besonders auch die Kinder: Jedes elfte Kind stirbt vor dem 5. Lebensjahr. Durch das verheerende Erdbeben 2010 hat sich die Situation für die Bevölkerung noch verschärft. In vielen Regionen ist die ohnehin schon rudimentäre Infrastruktur vollkommen zerstört worden und bis heute nur bedingt wieder hergestellt.

Autark von Dieselpreisen
Besonders die Stromversorgung in Flüchtlingscamps und Dörfern ist auch vier Jahre nach der Katastrophe sehr schwierig. Bis jetzt gewinnt der Agrarstaat seine Energie zum Großteil aus Schweröl-Kraftwerken und Dieselgeneratoren. Der Betrieb dieser Generatoren ist stark von den schwankenden Erdölpreisen abhängig, was zur Folge hat, dass nur eine sehr unregelmäßige Stromversorgung möglich ist. Einen Lösungsweg bieten hier die Erneuerbaren Energien - insbesondere die Photovoltaik. Die Bedingungen für den PV-Strom sind gut: Die Ressource Sonne ist auf Haiti ausreichend vorhanden, um mit einem flächendeckenden Ausbau von Solartechnik alle Haitianer mit Energie zu versorgen.

Solar-Smart-Grid Tabarre
Einen ersten Schritt zur Stromversorgung aus Regenerativer Energie hat die BIOHAUS-Stiftung von Herrn Willi Ernst unter der Überschrift „Solar beats Diesel“ eingeleitet. Ziel der Stiftung ist es, als Kooperationspartner gut laufender Hilfsprojekte für die Solare-Energieversorgung zu sorgen sowie internationale Hilfsorganisationen anzuregen, ihre Hilfsgelder in Solartechnik zu investieren und mittelfristig für eine solare Energiepolitik in Haiti zu werben. Bei dem jüngsten Projekt „Solar Smart Grid Tabarre“ wurde auf dem Krankenhaus St. Damien in Tabarre eine 85 kWp große PV-Anlage errichtet. Die Anlage erzeugt parallel zum Dieselgenerator Strom und reduziert dadurch den Dieselverbrauch um 20 - 30 %. Bereits in Planung ist der nächste Projektabschnitt. Hierbei werden alle Einrichtungen des internationalen Kinderhilfswerks nph in Tabarre zu einem Smart-Solar-Grid zusammengefasst. Die Dieselgeneratoreinheit soll zentral geregelt und weitere dezentrale, netzgekoppelte PV-Anlagen mit 450 kWp errichtet werden.

Nachhaltiges Gesamtkonzept
Ein weiterer großer Faktor bei der Umstellung von Dieselstrom auf PV-Strom spielt natürlich die Finanzierung. Die Stiftung ist laufend bestrebt, Solarfirmen für ihre Sache zu gewinnen und diese mit Material und Know-how zu unterstützen. Neben vielen großen Firmen wird die BIOHAUS-Stiftung auch durch mittelständische Unternehmen unterstützt, wie z. B. dem PV-Monitoring Hersteller Solare Datensysteme GmbH aus der Nähe von Stuttgart. Frank Schlichting, CTO, Solare Datensysteme zum Engagement seiner Firma: „Wir sehen uns als global agierendes Unternehmen in der Verantwortung, dass die PV-Technologie nicht nur finanziell gut aufgestellten Ländern zur Verfügung steht, sondern auch armen Regionen in denen die Rendite keine Rolle spielt. Hier geht es um die reine Grundversorgung mit bezahlbarer Energie und damit, um einen Weg aus Armut und Abhängigkeit. Deswegen ist es uns ein großes Anliegen, ärmere Regionen bei ihrer Energiewende zu unterstützen.“
Wichtig für eine Etablierung der PV-Energie ist aber nicht nur die Errichtung von Solaranlagen und damit die Ablösung der Dieselgeneratoren, sondern auch die Ausbildung der Bevölkerung in der neuen Technik. So sollen die Anlagen nach der Inbetriebnahme von haitianischen Technikern gewartet und bei Bedarf instand gesetzt werden. Um das zu ermöglichen, wird die Ausbildung von Technikern an den Berufsschulen explizit gefördert. 2014 konnten die Biohaus-Stiftung und nph erstmals eine Entwicklungshelferstelle mit einem Solar-Techniker besetzen. Dieser unterrichtet nun an der Berufsschule in Tabarre und bildet haitianische Elektriker bei Installation und Wartung von Solaranlagen, aber auch zur Überwachung dieser durch Solar-Log und andere Monitoringsysteme, aus.

Über die BIOHAUS-Stiftung

Die Stiftung soll dem Zweck dienen, die Welt gerechter zu gestalten und ihre Ressourcen auch nachfolgenden Generationen intakt und nutzbar zu erhalten. Insbesondere der sich abzeichnende Klimawandel stellt eine Gefahr für die Menschheit dar. Die Förderung regenerativer Energien ist eine Chance, diese Bedrohung abzuwenden. Nachhaltige Energie-Erzeugung kann aber dauerhaft nur realisiert werden in einer gerechten Welt, in der Benachteiligung aufgrund Geschlecht, Alter, Kultur oder Geschichte aufgehoben sind. Darum soll die Stiftung ihr Engagement für Erneuerbare Energien mit diesen gesellschaftlichen Fragen verknüpfen.

Diesen Anspruch setzt die Biohaus-Stiftung seit 2010 in eigenen Solar- und Ausbildungsprojekten in Haiti und Nicaragua um und unterstützt weltweit kleinere NGO’s bei der Energieversorgung ihrer Projekte.

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