Referenz Anlage: Alpirsbach

Öko-Energie in und aus Bürgerhand: diesem sympathischen Konzept folgen vor allem in Deutschland viele genossenschaftlich organisierte Menschen, die sich für die Energiewende und regionale Wertschöpfung stark machen. Ein Beispiel ist die Bürgerenergiegenossenschaft Schwarzwald. Sie betreibt mit 220 Mitgliedern neben mehreren anderen Projekten eine Freiflächenanlage beim Städtchen Alpirsbach im Nordschwarzwald. Alleine die nackten Zahlen des „Solarpark Peterzell“ sind beeindruckend: 880 Kilowatt installierte Leistung auf 6000 Quadratmetern Fläche bei einem Grundstück mit insgesamt 15 000 Quadratmetern, 3600 Module mit einer Nennleistung von jeweils etwa 250 Watt, Investitionskosten von fast einer Million Euro. Gemanagt wird die Anlage von einem Solar-Log 2000.

Es war ein echter Kraftakt, auf der Erddeponie diese Anlage zu errichten, erinnert sich Ulrich Seiz, Mitglied des sechsköpfigen Genossenschafts-Vorstands. Gemeinsam mit dem Betreiber der nach wie vor genutzten Deponie und einer großen Koalition der Willigen (Bürger, Nachbarn, Kommunalpolitik, Bank etc.) nahm man das große Projekt in Angriff. Seit Sommer 2013 erzeugt die Anlage zuverlässig Strom. Den angepeilten Jahresertrag von 900 000 Kilowattstunden „erreichen wir in aller Regel locker“, sagt Ulrich Seiz. Die große Anlage auf der Deponie selbst speist komplett ins Netz ein, grundsätzlich vermarkten die Schwarzwälder ihren Strom über das bundesweite Netzwerk „Bürgerwerke“.

Schwierigkeiten bei einer so großen PV-Anlage sind weniger technischer Natur, weiß der Umweltingenieur und Baubiologe, auch wenn es bei mehreren der 32 Wechselrichter schon Probleme gab. Viele der ehrenamtlich tätigen Genossen verlieren die Lust eher wegen eines großen administrativen Aufwands, oftmals frustrierenden bürokratischen Hemmnissen und bisweilen absurden Vorschriften, die die erneuerbaren Energien noch immer ausbremsen. „Wir würden gerne noch viel mehr ausprobieren, aber wir dürfen rechtlich nicht“, bedauert das für die Themen Nahenergie und E-Mobilität zuständige Vorstandsmitglied. „Rechtlich werden wir behandelt wie jede Volksbank“, sagt Ulrich Seiz. Ab einem Anteil von 100 Euro bis maximal 15000 Euro kann jeder Interessierte Mitglied der Genossenschaft werden, die im Schnitt 2 bis 3 Prozent Dividende ausschüttet.

Ulrich Seiz und seine Mitstreiter treibt momentan ein handfestes tierisches Problem um. Bisher ließ ein Schäfer seine Tiere auf der Anlage weiden, doch die lebenden Rasenmäher sind nicht mehr da, und das Grün unter den Modulflächen sprießt. Schäfer gibt es auch im Schwarzwald immer weniger. Rasenmähen von Hand? Schwer vorstellbar bei 15 000 Quadratmetern Grundstück.

Allen Widrigkeiten zum Trotz planen die Verfechter einer umweltfreundlicheren Energiezukunft immer neue Projekte, zum Teil auch in Kooperation mit Kommunen. Das erwirtschaftete Geld wird wieder in umweltfreundliche Stromerzeugung investiert. Seiz: „Wir suchen immer nach Dächern.“ Inzwischen betreibt die Genossenschaft Projekte mit einer Gesamtleistung von 1 Megawatt.

Gegen die offenbar wieder aktuellen Pläne der Bundesnetzagentur in Deutschland, PV-Altanlagen grundsätzlich in die Einspeisung zu zwingen, werden sich die Energiegenossenschaften „sehr deutlich zur Wehr setzen“, kündigt Seiz an. Jede durch erneuerbare Energien erzeugte Kilowattstunde Strom vermeidet die Verbrennung umweltschädlicher Kohle, Gase und Öle. Dafür lohnt es sich zu kämpfen.

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